Sasol

Nominiert für ihre nationale und internationale Kampagne, um CO2-, Auffang- und Speicherungs-Technologie (CCS) als saubere Lösung zu bewerben für das schmutzige Geschäft, flüssige Brennstoffe aus Kohle und Gas zu gewinnen.

Hintergrund

Sasol ist eine Südafrikanische Firma, die beschäftigt ist mit Bergbau, Energie, Chemikalien und synthetisch hergestelltem Treibstoff (synfuels). Sie produziert Öl aus Kohle – bekannt als Kohleverflüssigungstechnologie (CTL), was ein schmutziges Geschäft ist, welches zweimal so viel Treibhausgase produziert wie die herkömmliche Raffinierung von Treibstoff aus Öl.

Da dies das Herzstück im Sasol-Geschäft ist, überrascht es nicht, dass die Firma zu den höchsten Emittenten von CO2 auf dem afrikanischen Kontinent gehört – Sasols Secunda-Anlage in Südafrika ist der größte Einzelproduzent von CO2 auf der ganzen Welt. Die Firma weiß, dass der Klimawandel ihre Zukunft bedrohen kann und gibt in offiziellen Dokumenten zu, dass internationale Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen, eine „materielle Beeinträchtigung“ auf das Geschäft und „seinen finanziellen Zustand“ haben könnten.

Im vergangenen Jahr hat Sasol auf mehr PR- und Lobbyarbeit gesetzt, um die CTL-Technologie der Welt als CO2-, Auffang- und Speicherungs-Technologie (CCS) und Patentrezept zu verkaufen für sein schmutziges Produkt. Wie das Time Magazin letztes Jahr berichtete: „Man stelle sich einen PR-Albtraum vor: eine Ölfirma, die eine Technologie verwendet, die Nazi-Deutschland mit Energie versorgte, welche Apartheid für Jahrzehnte errichtete und welche eine Anlage betreibt mit der zweifelhaften Auszeichnung, die weltgrößte Einzelquelle für CO2-Emissionen zu sein.“

Trotz seines schmutzigen Produktes, sagte Generaldirektorin Pat Davies dem Magazin: „Wir sind eine innovative Firma. Wir können auch Teil der Lösung sein.“

Lobby-Aktivitäten

Um Poltiker, die Öffentlichkeit und Regulatoren zu überzeugen, dass Sasol Teil der „Lösung“ ist, begann das Unternehmen eine intensive nationale und internationale Lobby-Kampagne. Sasols Lobby-Strategie ist doppelbödig: sie zielt darauf ab, die Akzeptanz und Nutzung der CTL-Technologie auf der ganzen Welt zu erhöhen und erschafft einen größeren Markt für seine Aktivitäten. Während Sasol zur selben Zeit CCS-Technologie bewirbt als potentiellen Weg, Emissionen durch seine Aktivitäten zu reduzieren.

Zuhause hält das ehemals staatseigene Unternehmen eine große Nähe zur Regierung.

Das Sasol eine einflussreiche Rolle bei der Entwicklung von Südafrikas Verbesserungs-Szenario spielt, beweist ein jüngstes Schlüsseldokument der Regierung, welches Pläne zur Reduktion von Treibhausgasen entwirft. Südafrika hat zukünftige Anlagen zur Kohleverflüssigung nicht ausgeschlossen, trotz des hohen Niveaus von erzeugten Emissionen. Sasol hat auch CCS beworben durch seine Beteiligung an politischen Gesprächen.

Aktiv beim Intergovernmental Panel on Climate Change

Im Sasol-Bericht zur Umweltverträglichkeitsentwicklung (Sustainable Development Report) 2008 heißt es: „Um die Wertschätzung unserer Sache voranzutreiben, spielt Sasol eine Rolle auf der internationalen Bühne via UN’s Global Compact und Intergovernmental Panel on Climate Change. Zur Unterstützung von CCS-Lösungen gehören wir zu der Südafrikanischen Delegation im multi-nationalen Carbon Sequestration Leadership Forum.“

Sasol war ebenso erfolgreich darin, einen seiner Wissenschaftler – Fred Goede – im Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zu platzieren; das ist das wissenschaftliche Institut, welches dafür verantwortlich ist, die Höhe und Natur der Risiken zu bewerten, welche durch Klimawandel hervorgerufen werden. Goede ist nicht nur Mitglied des IPCC, sondern hat auch kürzlich einen IPCC-Bericht geschrieben über CCS - die Technologie, die von Sasol befürwortet wird.

Aber wie WWF Südafrika hervorhob, selbst wenn technologische Vorteile Sasol erlauben die Emissionen zu reduzieren, die durch synthetisch hergestellte Treibstoffe generiert werden, wird CCS nicht das Emissionsniveau der Fahrzeuge senken, die mit dem synthetischen Treibstoff betrieben werden. Umso mehr, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt CCS eine ungeprüfte kommerzielle Technologie bleibt.

Carbon Sequestration Leadership Forum – Das Problem international begraben

Sasol ist ein aktiver Akteur im Carbon Sequestration Leadership Forum (CSLF), eine Organisation, welche erfolgreich Lobbyeinfluss ausübt für CCS-Technologien.

Im Oktober 2009, hielt das Forum, das 23 Regierungen wie auch die Europakommission umfasst, ein Treffen ab in London, um die CCS-Technologie anzupreisen „in der Bemühung, vor Klimagesprächen in Kopenhagen in Führung zu gehen.“

Bei der Konferenz war Christine Ramon, die Geschäftsführerin von Sasol, anwesend bei einer Gremiumsdiskussion zum Thema „Priorität und Notwendigkeit von Aktionen, welche für die zeitnahe Entwicklung von CCS notwendig sind“ Dies wurde dann formuliert als Empfehlungen und an die Minister weitergereicht, welche das Forum besuchten.

Sasol bekam was es wollte. Am Ende des Forums billigten die teilnehmenden Energie- und Umweltminister von den Mitgliedsstaaten „CCS-Technologien als Schlüsselkomponente bei den internationalen Plänen den Klimawandel zu bekämpfen.“

100.000$-Lobbyarbeit für Washington

Währenddessen in den USA: Sasol möchte sein Geschäft expandieren und ist ein aktiver Akteur bei der Kohleverflüssigung-Koalition geworden; dazu betreibt es Lobbyarbeit für Kongressgesetze, um „alternative Treibstoffe“ zu propagieren und sich Hilfe zu sichern beim ehemaligen Präsidenten George Bush und Senator Barack Obama vor seiner Wahl zum Präsidenten.

Ein Bericht von 2008 von GroundWork South Africa fasste die Lobby-Bemühung der Firma zusammen, als sie sagen, dass Sasol „der Livingston Group im letzten Jahr 320.000$ gezahlt hätten, um Einfluss auf den Kongress auszuüben, zur Unterstützung zum Bau von CTL-Anlagen in den Vereinigten Staaten. Mit Kongressmitgliedern und dem Weißen Haus, die versprechen, alternative Brennstoffe zu fördern, macht jetzt eine Zahl von anderen alternativen-Treibstoff-Firmen dasselbe wie Sasol und heuert Firmen zu Lobbyzwecken an - für Steuererleichterungen und andere Anreize - um ihren Eintritt in den Markt zu erleichtern, welcher von Ölfirmen beherrscht wird.“

2009 zahlte Sasol der Lobbyberatungsfirma Livingston Group weitere 220.000$ für Lobbyzwecke. Über die Livingston Group, hat Sasol auch Unterstützung vom US-Militär gesucht für die Kohleverflüssigung. Mit Befürchtungen um die Energiesicherheit, welche zu den Prioritäten der US-Politik gehört, und einfachem Zugang zu großen Kohlevorräten hat Sasol die Kohleverflüssigungstechnologie vorangetrieben, um damit die Lieferung von Treibstoff zu absichern.

Sasol wurde gebeten, sich zur Nominierung zum Angry Mermaid Award zu äußern, antwortete aber nicht.